Wenige Profiteure: Moderne Sportstätten? Nicht fürs Land!

Insgesamt 300 Millionen Euro wird die NRW-Landesregierung mit ihrem nun offiziell beschlossenen Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ verteilen. Es ist von einem „herausragenden Signal für die NRW-Sportvereine“ die Rede.

Auch Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbundes, sagt: „Dieser Beschluss ist ein großartiger Moment für unsere Sportvereine.“

Doch einen Haken gibt es: An der wirklichen Basis wird wohl kein Cent ankommen. Der Großteil der Vereine besitzt nämlich keine vereinseigene Sportanlage – und das ist die Grundvoraussetzung für eine Förderung. Meist sind schließlich städtische Hallen und Sportplätze die Heimat der Vereine. In ganz NRW gibt es  nur 7000 vereinseigene Sportanlagen, im Kreis Heinsberg sind es nicht einmal eine handvoll. Dass es sich dabei „um echtes Geld für die Vereine“ handele, wie Staatssekretärin Andrea Milz sagt, und nicht „um einen Kredit“, bringt denen, die das Geld bitternötig hätten, also nichts.

Sie müssen weiterhin darauf bauen, dass Städte und Kommunen ihren Job richtig machen – und ihre sportliche Heimat mitpflegen. Dass das allerdings nicht immer der Fall ist, zeigt der Zustand einiger Anlagen. Zum Leidwesen von Handballteams, Boxern, Volleyballern und vielen mehr – wen es aber definitiv überall treffen wird: den Nachwuchs.

Kein großer Moment

Vorzeigeprojekte gäbe es auch im Kreis Heinsberg. Wo Vereinswesen mit Stadt und Kreis eng zusammenarbeiten.

Auch wenn das neue Sportstättenförderprogramm wohl nicht der „große Moment“ für die lokalen Sportvereine sein wird, finde man aber die Förderungsidee gut, auch „wenn wir uns mehr über Programme freuen, die die Kommunen unterstützen“. Denn nur dann profitieren auch die kleinen Vereine davon.

Und trotzdem: Man mache sich auch Hoffnungen auf Gelder dieses neuen Förderungs-Topfes. Aber um Genaueres zu sagen, fehlen noch die Details des Programms. „Möglich wäre es für einige Tennisanlagen im Kreis. Aber auch echte Randsportarten wie etwa Schach könnten davon profitieren.“ Ob allerdings ein selbst finanziertes Vereinsheim als „Sportanlage“ zählt? „Das weiß man eben noch nicht.“ Die Chancen seien gering.

„Ganz schade“ sei es, dass die Wertschätzung der vielen Vereinsarbeiter, meist Ehrenamtler, an den städtischen Anlagen verloren geht. „Diese Menschen halten viele Anlagen am leben. Ohne sie geht es nicht.“ Und da sei gezielt gesetztes Fördergeld als Entlastungsmöglichkeit besser als ein weiterer Ehrenamtspreis. (tys)

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